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Montag, 13. Dezember 2010

Abends um halb 5 im Dunkeln über den zugefrorenen Tjörnin in die Stadt zu laufen, wo noch vereinzelte Kinder auf dem Eis spielen. Das Geschnatter und Geplapper der vielen Gänse, Enten und Schwäne in der Nähe des Rathauses. Die vielen Katzen in den Gassen der Stadt, die leider immer zu schnell abhauen, bevor ich eine davon streicheln kann. Das rosa bonus Schwein und die Frage der Verkäufer "Viltu poka?". Wirklich ausnahmslos jedes mal einen Bekannten zu treffen, wenn man in der Stadt ist. Der Ausblick vom Unigebäude auf die Hallgrimskirkja und Perlan. Der Weg am Meer entlang und die Flugzeuge, von denen wirklich jedesmal eins auf dem Domestic Airport landet, wenn ich dort spazieren gehe. Vor Wärme dampfendes Wasser. Die runde Dampfsauna, die mit den gleichen durchsichtigen Fensterfliesen gebaut wurde, wie die bei uns zuhause im Treppenhaus. Das Sonnenlicht, das durch ebendiese fällt und einen Lichtstreifen im Dampf hinterlässt. Den Gesprächen der Isländer im Hot Pot zu lauschen und sich zu freuen, wenn man versteht, um was es geht. Den Kindern beim Spielen und den Schwimmern beim Schwimmen zukucken, während man entspannt und vor sich hin träumen im heißen Wasser sitzt.
Das Nordic House, wo es jetzt jeden Tag eine neue Adventskalender Überraschung in Form von Auftritten von Bands oder Sängern gibt. Oder ein halbe Stunde Yoga und leckeres Gebäck im Anschluss. Die Uni, in die ich gerne gehe, auch wenn die Kurse vorbei sind, weil es das tolle Háma Café und bunte Stühle zum draufsitzen, Menschen beobachten und Menschen treffen gibt. Ich mag diese Uni auch, weil sie Silent Rooms hat, in denen es abgeschirmte Plätze mit eigenem Stromanschluss für den Laptop gibt, wo man seine Ruhe hat, und sich deswegen manchmal nur über Facebook mit den Gegenübersitzenden verständigt.
Das Babalu, das Stammcafé vieler geworden ist, weil es wie ein großes gemütliches Wohnzimmer ist und die leckersten Kuchen und bestes Bananenbrot hat. Oder Kofi Tómasar Frænda, in dem man die besten Gespräche führen kann, und in dem immer gute Musik läuft. Apropos Musik: 12 tonar, der Musikladen, der auch ein Plattenlabel ist, wo man stundenlang sitzen und stricken kann, während man an einem der CD-Spieler schöne, neue isländische Musik entdeckt. Und apropos Stricken: Die Handknitting Association, in der es die meisten Isländerpullis gibt und günstige Lopi (Wolle). Auf dem Flohmarkt im Kolaportið gibt es auch Isländerpullis und allerlei anderes Gestricktes, unter anderem bei zwei älteren Damen, die dir auch auf Wunsch einen Pulli stricken oder Stricktips geben.
Der Hafen, der im Winterhalbjahr meistens still und ruhig ist, von wo aus man die Lichtsäule des Peace Towers auf Videy von Yoko Ono besonders gut sieht. An einem anderen Platz am Hafen, wo man Nordlichter sehen kann, auch wenn sie nicht besonders stark sind. Wo man nachts die Wellen auf den Sand rauschen hören kann, weil Flut ist...

Dienstag, 7. Dezember 2010

Knitting in Háskolatorg


Stricken entspannt. Was gibts also besseres, als eine Pause vom lernen und schreiben einzulegen, sich im Unicafé mit dem "Knitting Club" zu treffen und in gemeinsamer Schweigsamkeit konzentriert zu stricken. Das hat fast was von Meditation manchmal.
Und man fällt sogar in Island ein bisschen auf... wo sich die Menschen eigentlich sehr wenig darum scheren, was die anderen machen und das Stricken doch eine lange Tradition hat. So gibt es zum Beispiel die saumaklubbar, zu denen sich die Frauen mit ihren früheren Schulkameradinnen treffen, um sich auszutauschen. Das machen wir natürlich auch.

Sonntag, 21. November 2010

Anzeichen des Endes in der kleinen Ausnahmewelt

Endlich mal wieder ein kleiner Bericht in Worten.
Es ist tatsächlich nur noch eine Woche Uni hier an der Hàskoli Ìslands! Anlässlich dieser Verkündung bin ich gestern aus allen Wolken gefallen. Aber es stimmt...
Die Zeichen des Endes dieses Semesters mehren sich zunehmend. Alles geht wie immer viel zu schnell. Aber wie soll man das Leben als Erasmus Student beschreiben? Ich rede zurzeit oft von der Ausnahmesitutaion, die so ein Semester ist. Du bist weg von deinem gewohnten Umkreis, lernst aber gleichzeitig unglaublich viele Menschen kennen, die sich mit dir gemeinsam über das Land wundern. Und wir Erasmus Studenten lieben Island, mit seiner gewaltigen Natur, seiner Kälte, seiner Verrücktheit und seinen Hot Pots und das posten wir auch regelmässig über Facebook hinaus in unsere kleine Welt. Ich fühle mich manchmal wirklich wie in einer großen Erasmus-Familie. Man ist zwar ganz allein hier her, auf diese abgeschottete, ferne Insel gekommen, doch immer wenn ich hier in die Stadt gehe, kann ich damit rechnen mindestens einer Person zu begegnen, die ich kenne und mit der ich ein paar Worte wechsle. (In der Uni sowieso). Natürlich sind das selten Isländer...auch wenn ich hauptsächlich nach Island gegangen bin um mein Isländisch zu verbessern, hab ich eher besser Englisch gelernt und Menschen aus Europa und dem Rest kennen gelernt. Denn das ist der Unterschied zwischen Auslandssemester und "in einem anderen Land leben" und ich habe mich wohl unbewusst für dieses eine kurze Semester dafür entschieden voll in das Erasmus-Leben einzusteigen. Das "In Island leben" kann ja immer noch kommen. Nächstes Jahr oder so :)
Jedenfalls mag ich das Leben hier sehr gerne. Natürlich steht die Uni nicht an erster Stelle, selbst jetzt in der heissen Phase der Prüfungen und nahenden Abgabetermine gibt es etliche Ablenkungen.
Sei es auch nur ein Stricktreffen im Hàskolatorg (weil alle Mädchen spätestens hier anfangen zu stricken gibt es den wöchentlichen Strickclub) nach der Bibliothek.
Oder mal wieder zur Entspannung im Hot Pot sitzen (und einen kleinen Abstecher zur Abkühlung in das eiskalte Meerwasser machen in Nautholsvík, dem Stadtstrand von Reykjavík).
Oder isländische Bands live in Bars oder Kirchen spielen sehen (Rökkuró, For A Minor Reflection, oder das Orchester eines Kommilitonen).
Oder Geburtstage feiern. Mit Bier oder Kuchen und Tee.
Ins Kino gehen und englische Filme mit isländischen Untertiteln kucken. Oder Mittwochs kostenlos einen isländischen Film im Culture House.
Oder eine finnische Pre-Christmas-Party mit anschliessender spanischer Musik, die alle und vor allem die Spanier dazu veranlasst die Tische samt Weihnachtsdeko zur Seite zu schieben um Platz zum Tanzen zu haben.
Oder eine Fahrradtour nach der Uni zur Kirche auf der Halbinsel, oder gleich fahrradfahren auf dem zugefrorenen Stadtteich Tjörnin.
Sonntags wieder mal auf dem Flohmarkt gehen und endlich zu merken, dass man doch Fortschritte macht im isländisch sprechen.
Oder endlich doch noch...

Und nebenbei muss man ja auch mal Zeit haben zum Kerzen und Pepperkaker kaufen. Flug buchen. Sich ein bisschen auf Weihnachten freuen, aber eigentlich keine Zeit dazu haben.
Was passiert, wenn das hier zu Ende ist?
Who cares? Jetzt bin ich noch hier. Noch genau vier Wochen.

Donnerstag, 4. November 2010

Reykjavik III


Gestern: Endlich Schnee! Am Abend hab ich einen kleinen Spaziergang durch die Schneeflocken gemacht und bin dann noch bei den Franzosen im Guesthouse vorbeigeschneit um mich in Gesellschaft und in der Küche aufzuwärmen. So nebenbei: Ich hätte es nicht erwähnen dürfen...ich bin trotz Abhärtung wieder erkältet!
Heute: Seit langem wieder zu Fuß zur Uni. Mir war es zuviel Schnee fürs Fahrrad und ich wollte wieder einmal Fotos machen. Dies sind Eindrücke von meinem Weg am Tjörnin entlang, wer sich erinnert - ich habe im Dezember schon mal vom selben Weg Bilder hochgeladen.

Ein Teil des Rathaus, das in den Teich hineingebaut wurde, dahinter wie immer über allem die Hallgrimskirkja und neben der aufgehenden Sonne (es war 10 Uhr!) die Rundkuppel von Perlan auf dem Hügel.


Ein Schneepflug auf der Straße zur Uni. Das Hauptgebäude der Uni.


Davor Saemundur der Weisen, der laut Legende, der erste studierende Isländer im Ausland war und von Frankreich auf dem Rücken eines Seehundes nach Island zurückgekommen ist.
Die beflügelte Teichbevölkerung auf Wasser und Eis.


...und dann auf dem Heimweg nach der Uni höre ich schon von weitem, das mittlerweile bekannte Geräusch der Protestierenden vor dem Parlament. Mit diesem Lärm seid ihr verschont, aber hier gibts wenigstens mal Bilder. Das Geräusch von Hammer auf Blech kann man sich glaube ich ganz gut vorstellen. Grund für den Protest ist diesmal, soweit mir ein Spanier erklärt hat eine Änderung des Fischereigesetzes. Aber ich bin hier leider nur für die Fotos zuständig und im Internet hab ich noch keine Infos gefunden...


Vor dem Parlament steht noch eine wichtige Statue, und zwar die des isländischen Nationalhelden Jón Sigurðsson, der maßgeblich daran beteiligt war, dass Island seine Unabhängigkeit von Dänemark erreicht hat.

Montag, 1. November 2010

Eiseskälte und Vulkanfeuer?

http://grapevine.is/News/ReadArticle/New-Volcano-Likely

Ein zweiter Vulkanausbruch 2010?

Bin ja mal gespannt ob ich noch länger hier bleiben muss oder darf. :)
Schließlich hab ich heut nochmal erfahren, dass Silvester in Reykjavik ein Erlebnis ist, dass man nicht beschreiben kann, sondern erlebt haben muss. Mein Lehrer in dem Kurs über Isländische Kultur meinte: Es ist so hell, dass man Silvesternacht beinah draußen ein Buch lesen kann.

Heute war der erste Tag, an dem ich merke, dass es wirklich richtig Winter wird. Vielleicht liegt es daran, dass heute der erste Novembertag ist und ich vor 9 aufgestanden bin, was an ein Wunder grenzt, nachdem ich die Tage zuvor selten vor 12 Uhr aus dem Bett gekommen bin. Ok, dies könnte unter anderem daran liegen, dass Wochenende war und ich Freitag und Samstag erst am frühen Morgen zuhause war. Was wiederum normal ist für isländische Verhältnisse, da die Party, zumindest in Downtown erst ab 2 Uhr nachts richtig losgeht. Dass es kalt ist, merkt man da aber nur, wenn man fast eine Stunde vor einer Bar wartet um reinzukommen...aber ich bin ja wieder weitgehend erkältungsfrei und werde es hoffentlich auch bleiben: Die Abhärtung durch den Wechsel von kalter Aussentemperatur und heißem Wasser im Hot Pot ist neben frisch gepressten Orangensaft eine Möglichkeit. Und vielleicht bleib ich die nächsten Tage einfach öfter drinnen und stricke oder sitze in der Uni oder der Bibliothek. Was sein muss....
Wie auch immer, mehr interessantes gibts für diesen Blog heute nicht mehr :)

Dienstag, 26. Oktober 2010

Erkenntnise, Nordlichter und andere Anzeichen von Winter

Man glaubt es kaum, aber ich bin mittlerweile schon in der zweiten Hälfte meines Auslandssemesters angelangt...
Ich empfinde diese Tatsache auf der einen Seite als gut, denn alles was mich ärgert, kann ich mit einem entspannten "ist ja nur noch für 'n paar Wochen" abtun. Auf der anderen Seite erreicht es gerade das Gegenteil: Anspannung. Stress. Druck. Ich habe nur noch so wenig Zeit in diesem Land und will doch noch so viel tun und sehen, geschweige denn von Dingen, die ich machen muss... und eins habe ich in den letzten Wochen gelernt: Während eines Auslandssemesters verpasst du ständig etwas. Denn egal, wo du bist und was du machst, es gäbe immer noch mehr und mit anderen Menschen. Das "sich präsent fühlen" und zufrieden im Hier und Jetzt wird einem nicht so leicht gemacht. Erst recht nicht wegen Facebook, wo man von seinen Erasmus-Kumpanen ständig noch tollere Bilder von noch schöneren Reisen siehst. (Was vermutlich nicht wahr ist, aber zumindest mir, kann man das sehr leicht weis machen.) Immerhin lässt dieses "Zuviel von allem" keine oder wenig Zeit für Heimweh. (ich freu mich schon auf sehr ruhige und langweilige Weihnachtstage - wirklich!)

Eine zweite Einsicht, die mir kam, ist, dass man sich ziemlich schnell an so viel Trubel und Unternehmungen gewöhnt und es erst mal ein unangenehmer Schlag für das Wohlbefinden ist, wenn man in die harte Realität zurückgeworfen wird, in der außer Uni und andere unangenehme Dinge nicht viel auf einen wartet und sich nach dem Ende des 3-wöchigem Besuch von Freunden beinahe verlassen fühlt. Nunja, dass dieses Gefühl nicht unbedingt zuträglich ist um einen richtig schönen Geburtstag zu haben ist wahrscheinlich verständlich. Trotzdem sind mir an diesem Tag wunderbare Dinge widerfahren und Menschen, die mich wirklich noch nicht lange kennen haben mir gratuliert (Facebook sei Dank) und mit mir gefeiert. Ich habe sogar ein englisches und französisches Geburtstagsständchen bekommen und Kuchen mit Kerzen, nicht zu vergessen die Geschenke, die mir die Heimreisenden dagelassen haben. Witzigerweise hat mein italiensicher "housemate" Angelo am selben Tag Geburtstag wie ich, was für mich ein Grund war Kuchen zu kaufen und ihn mit ihm zu teilen. Ich hätte ja wirklich gerne einen gebacken, aber leider ist unsere Küche nicht so gut ausgestattet und nicht besonders gemütlich. Aber wenn wir gerade in der Küche sind: Sonja und ich haben dort vor 2 Wochen richtige italienische Pasta von Angelo serviert bekommen.


Natürlich schreibe und fotografiere ich für diesen Blog nur die schönen Dinge, um die Leser neidisch zu machen! Um zu zeigen, dass ich noch nicht in eine isländische Traumwelt voller Elfen und gigantischen Landschaften abgedriftet bin, einiges zur Auslands-Realität: Wie so viele Austauschstudenten wohn ich in einem Guesthouse, nur das meins über den Winter immer noch für den Tourismus Betrieb geöffnet ist und nur der Keller an Studenten vermietet ist. Dummerweise hat man aber im Keller und vor allem meinem Zimmer eine schlechte bis garkeine Internetverbindung, was dazu führt, dass ich alles im Internet vorzugsweise in der Uni erledigen muss, was echt ärgerlich ist.
Neben dem Island-Traum gibt es Erwähnenswertes, das zeigt, dass ich hier durchaus auch was lerne und für die Uni tu. In der Zeit, als ich Besuch hatte, hab ich ein Referat vorbereiten und halten und einen Midterm-Test schreiben müssen. Jetzt beginnt die Phase, in der ich all das, für das ich keine Zeit hatte aufarbeiten muss und bald kommen dann Essays und Exams auf mich zu. Ich mach hier mittlerweile nur noch 4 Kurse, die aber teilweise zweimal die Woche sind und für die ich sehr viel außerhalb der Stunden machen muss. Sich dafür zu motivieren ist in so einem tollen Land mit so vielen Möglichkeiten nicht immer einfach ;)

Mitte Oktober ist hier immer ein, für viele isländische Bands die dadurch international bekannt wurden, legendäres Musikfestival: das Airwaves. Währenddessen ist Reykjavik noch ein bisschen cooler, als es sowieso schon ist. Auch ohne Bändchen kommt man in den Genuss von viel neuer Musik, denn von überall kommt irgendwie Live-Musik. Beim Friseur. Im Musikladen. In Bars. Dank der vielen Off Venue Spielorte kann man das Musikfestival garnicht umgehen. Leider hat meine Erkältung mir verboten ins Schwimmbad zu gehen und ein Konzert im Hot Pot sitzend zu erleben. Aber wie gesagt: Man verpasst immer was.

Bevor ich es vergesse: etwas, was ich bis zum Wochenende auch immer verpasst habe, waren Nordlichter. Seit Samstag Abend, an dem ich auf einer Party in einem anderen Guesthouse war, dessen Name zufälligerweise Aurora ist (der perfekte Platz also um Aurora Borealis zu erleben), kann ich auch dieses Naturphänomen auf meiner (nur im Kopf existierenden) Liste abhaken. Wir waren auf dem Balkon in diesem Haus, das mitten in der Stadt liegt und konnten somit über einen Teil von Reykjavík kucken und ein grünes, leuchtendes Nordlicht über den ganzen dunklen Himmel tanzen sehen. Ich war so glücklich! Es war allerdings eiskalt auf dem Balkon. Deswegen statt nicht-existierenden Fotos davon, Bilder von einer Fahrradtour (mein geliehenes Fahrrad hat hier noch nie Erwähnung gefunden, aber es ist ganz fabelhaft!) durch Reykjavík und dem ersten Schnee auf der Esja.

Freitag, 24. September 2010

Árbæjarsafn


Einer der Kurse die ich belege heißt Icelandic Folktales, Beliefs, Customs and Identity: Ghosts, Sharkmeat, Mountain Women and Alcohol. Abgesehen vom sehr humorvollen Titel ist dieser Kurs echt informativ, ich bekomme einen anderen Blick auf die Sagas und finde sie sogar spannend. Was, als ich sie im ersten Jahr in Nordischer Philologie übersetzen musste, nicht so der Fall war. Ein guter Einblick in die Vergangenheit und Kultur der Isländer auf jeden Fall, aber auch viel zu lesen... Im Rahmen dieses Kurses haben wir gestern einen Ausflug ins Freilichtmuseum gemacht und uns alte Häuser angekuckt. lm Schnelldurchlauf hat uns eine Frau herumgeführt und weil wir nicht so viel Zeit hatten, gabs viel Foto-Knipserei. Dazu muss ich sagen, dass ca. jeder zweite Austauschstudent hier eine digitale Spiegelreflexkamera hat, was mich jedesmal aufs neue überrascht, wenn jeder seine Kamera zückt. Ich muss zugeben, da hätte ich mich mit einer "normalen" Digicam ein bisschen unzureichend ausgestattet gefühlt. Alles bestens also und hier gibts nostalgische Bilder aus dem Leben in Island vor 200 bis 100 Jahren:
Früher gegen Heute. Alte Bauernhäuser mit Grasdach (eine Kirche) gegen Hochhäuser.





Wolle spinnen und stricken.

zB für diese traditionelle Schuhe.


Wohnt hier vielleicht ein Hobbit? Nicht umsonst gibt es Parallelen zwischen dem frühen Island und Tolkiens Mittelerde.




Die Küche der reicheren Menschen. Die Bauern nannten die Häuser in der Stadt "leere Häuser", weil sie keine Tiere im Haus hatten. In den Bauernhäusern konnte man direkt vom Wohnhaus in den Stall.




Samstag, 11. September 2010

Uni, Rock'n'Roll, Stricken und die Krise

Ok, das sind auf den ersten Blick Dinge, die sehr wenig miteinander zu tun haben, und doch hab ich all das in der letzten Woche untergebracht, während ich noch täglich damit beschäftigt war mich für eine endgültige Kursauswahl zu entscheiden. Nicht umsonst steht die Uni an erster Stelle. Bis heute lief nämlich noch die Frist zur Kursanmeldung, die auch hier nur online abläuft. Außerdem hab ich mich geärgert über Kurse, die zwar im Coursekatalog stehen, aber aufgrund der Krise nicht gehalten werden können oder Kurse, die eigentlich auf Englisch stattfinden sollen, ich tatsächlich aber nur isländisch hörte, wenn ich mich in die Vorlesung gesetzt habe.
Immerhin hab ich jetzt eine Auswahl getroffen, mal sehen, welche Kurse ich wirklich zu Ende bringe bzw. für mein Studium in Deutschland einbringen kann. Jedenfalls hat die Uni mehr Zeit (und Ärger) eingenommen als ich dachte.

Trotzdem musste ich natürlich die restliche Zeit nutzen um zum Beispiel die Kurse der Hochschultanzgruppe (Háskóladansinn) kostenlos auszuprobieren. Dienstag stand Rock'n'Roll auf dem Programm, allerdings in einer Halle die nicht, wie so vieles andere, zu Fuß zu erreichen ist. Ich bin also ein Stück mit dem Bus gefahren und dann doch wieder eine ganze Weile gelaufen, aber es hat sich allein wegen den Liedern gelohnt (Brown Eyed Girl wurde mein Ohrwurm).

Achja, am selben Tag war ich auf einem Information meeting für Volunteers beim Internationalen Filmfestival, das Ende September hier in Reykjavik stattfindet (www.riff.is) und werde wie es aussieht einen Teil der nächsten Wochen damit verbringen bei den Vorbereitungen zu helfen. Unter anderem geht es darum stundenlang Filme zu kucken. Yeah!

Jani aus Berlin kam auf die glorreiche und spaßige Idee ISKA zu gründen, nachdem sie sich von einer Isländerin etwas sehr isländisch zeigen lassen hat: Stricken. ISKA meint also International Students Knitting Association. Ich, die in den letzten Jahren jeden Herbst zu Stricknadel und Wolle gegriffen hat, war da natürlich gleich dabei und die ersten Ergebnisse sind auch schon (fast) vorzeigbar. Es gibt hier recht preiswert landestypische Wolle zu kaufen (Lopi) und es ist nicht einfach sich zwischen all den Farben zu entscheiden und nicht in die Versuchung zu kommen sich sofort einen Isländerpulli zu kaufen, wenn man in einem der Wollläden ist.

Seit ich hier angekommen bin, sind mir überall in der Stadt die Filmplakate von "Future of Hope" aufgefallen und nachdem ich in der englischen Zeitung (grapevine) ein Interview über diesen Dokumentarfilm gelesen und entdeckt hab, dass die Filmmusik unter anderem von Damien Rice ist, wollte ich den Film natürlich sehen und hab ein paar andere Exchange Students angestachelt mitzukommen.
Meinen Erwartungen hat er allerdings dann nicht mehr standgehalten. Trotzdem vermittelt er eine insgesamt positive Stimmung der Isländer nach der Krise, zeigt Fälle von plötzlich unbezahlbaren Schulden, aber auch viele, neue Innovationen. Die wichtige Rolle Islands, wenn es um erneuerbare Energien geht, wird bestimmt noch für Europa zu spüren sein. Das Thema Neuanfang scheint sowieso ziemlich zentral zu sein, ebenso wie die Diskussion über den EU-Beitritt. Dabei geht es den Isländern wie schon so oft um ihren Fisch und ihr Faible für (Saga) Helden. Auch wenn diese Insel nur ungefähr ein Zehntel soviel Einwohner hat wie unsere Hauptstadt, geht doch einiges vorwärts. Island ist außerdem das erste Land, das eine "offiziell" homosexuelle Premierministerin hat, was auf den Färöern Insel gerade noch für Trubel sorgt...

...und morgen werd ich wieder mehr von der Natur dieses interessanten Landes sehen!

Mittwoch, 1. September 2010

Studieren auf Isländisch

Montag war der erste Tag an der Háskoli Ìslands mit großem Orientation Meeting für die International Students, das im Háskolabío stattfand. Was nicht nur in der Übersetzung Universitätskino heißt, sondern tatsächlich auch eins ist!
Die Isländer benennen alles nach dem Prinzip: Es ist drin, was draufsteht. So heißt auch der Unitreffpunkt, der modern und ganz bunt gehalten ist Háskolatorg (so ungefähr Universitätsmarktplatz). Als ich heute Mittag nach dem Schwimmen (eine andere Geschichte...) dorthin kam, hat doch tatsächlich eine Live Band dort gespielt. Richtig gut und richtig laut. Am ersten Unitag haben sie sogar "fruits for free" angeboten. Es gibt auf derselben Ebene noch einen Bücherladen, in dem zurzeit immer viel los ist. Von Readern haben die wohl hier noch nicht gehört, jedenfalls ist an der Kasse immer eine sehr lange Schlange. Außerdem gibts auch einen kleinen Laden bzw. Café/Restaurant, in dem es für Island recht preiswertes Essen, verpackt als auch frisch gekocht, gibt. Das kann man dann auf den vielen, weißen, runden Tischen verzehren und sich unterhalten, am Notebook sitzen und Leute treffen... Zurzeit ziehe ich auch jeden Tag eine Nummer am Servicedesk um nachzufragen ob meine kennitala endlich da ist. Das ist ziemlich ärgerlich, weil die, wie schon geschrieben, notwendig ist für so "lebenswichtige" Dinge wie Zugang zum Uni-Internet und Konto eröffnen...

Am besagten Ort, wo ich die meiste Zeit der letzten 2 Tage verbracht hab, weil man dort die meisten Leute trifft, gibt es überall frei zugängliche iMacs, an denen man im Internet recherchieren kann. Die Isländer sind auch wirklich sehr praktisch orientiert: Es gibt eine Charge-Box mit Ladegeräten von verschiedenen Handyherstellern, an die man für eine Gebühr sein Handy aufladen kann... Verrückt, aber praktisch. Und einige kleine Becken mit einem Trinkwasserstrahl zur Erfrischung...

Heute hab ich einen Isländisch Test gemacht, damit sie die Studenten in unterschiedliche Gruppen einteilen können... aber es war ziemlich frustrierend. Ebenso wie der Versuch Isländisch zu sprechen, den ich noch garnicht unternommen hab, weil ich nicht im geringsten das Gefühl hab, diese Sprache schon 2 Semester gelernt zu haben... (ok, wenn ich mich anstrenge verstehe ich ab und zu ein Wort... lesen oder raten, was draufsteht kann ich , somit weiß ich wenigstens meistens schon was jeweils drin ist im Gebäude oder im Essen...)
Stattdessen versuch ich endlich mit den Schweden und Norwegern, die ich kenne norwegisch zu reden, statt Englisch. Aber auch das ist noch nicht so leicht, da ich mich gerade eben an das Englisch gewöhnt hab.
Sprachwirrwarr... Aber wunderbar.
Soviel erstmal dazu!