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Mittwoch, 13. Oktober 2010

Kjölur Route


Þingvellir. ein ort, von dem man nie genug hat.

nirgends spiegelt sich ein himmel schöner,
als in tiefen klarem wasser.

strokkur in aktion. und wenn der ausbruch vorbei ist.

der namensgeber dampft nur noch. geysir ist eins der isländischen worte, die den internationalen durchbruch geschafft haben. oder sogar das einzige, das andere kenn ich nämlich nicht...

los gehts. auf ins hochland. gletscher zu beiden seiten.

nichts außer straßen und lange schatten in dieser weite.


wegweiser und hot pot in hveravellir.

You weren't in Iceland when you didn't get lost in Iceland 2

Zur Erklärung: Das Zweite dieser Roadtrip Wochenenden führte mich mit Vroni und Sonja direkt vom Golden Circle, den wir diesmal nicht als Kreis zurück nach Reykjavik gefahren sind, über das Hochland nach Akureyri. Diese Straße nennt man Kjölur-Route und man braucht dafür einen Jeep oder zumindest ein Auto mit Allradantrieb.

To prevent tourists from getting lost:
Part 2

7. Kauf dir lieber dann einen Becher teuren Kaffee, wenn es einen gibt und freu dich nicht auf einen anderen Ort mit besserem Kaffee oder sogar einer heißen Schokolade. Es gibt keinen und wenn, dann haben sie keinen Strom mehr um dir die Getränke aufzuwärmen.
8. Wenn du Isländer mitten im Hochland fragst, wie schnell sie auf der Straße von Hveravellir nach Akureyri fahren und sie antworten 100 km/h, sei bloß nicht beeindruckt, nur weil du selbst auf der ersten Hälfte dieser Straße vom Gullfoss nach Hveravellir mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 40 km/h über Steine, Schlaglöcher und riesige Wasserpfützen (ich möchte fast sagen Teiche) gefahren bist...
Denn die Straße auf der zweiten Hälfte hat keine Schlaglöcher und Pfützen von der Ausdehnung eines Sees und es ist tatsächlich auch für Nicht-Isländer mit Mietwagen, auf den man aufpassen muss, weil man sich das Geld für die Zusatzversicherung gespart hat, ohne weiteres möglich 100 km/h zu fahren
9. Lass dich aber nicht erwischen, weil in ganz Island nur eine Höchstgeschwindigkeit von 90 km/h erlaubt ist. (Im Hochland begegnest du aber kaum einem anderen Auto geschweige denn einem Polizei Auto.)
10. Wenn dir diese jungen, männlichen Isländer im Hochland schon mit Bier in der Hand sagen, dass es toll wird über Nacht dort zu bleiben und neben einem heißen Hot Pot und dampfendem Wasser in einer Hütte zu übernachten, weil sie noch eine große Party mit Livemusik feiern gibt es zwei Möglichkeiten. Erstens: Du bleibst, gehst im Hot Pot baden, betrinkst dich und vergisst den Plan für den nächsten Tag. Zweitens: Du nutzt das verbleibende Tageslicht um nach Akureyri zu kommen und ziehst den sowieso schon engen Plan für den nächsten Tag durch.
11. Ruf in der Jugendherberge an, wenn du schon weißt, dass du spät ankommst, weil die Rezeption um diese Zeit nicht mehr besetzt ist.
12. Schlammlöcher sind keine braunen blubbernden Löcher in grünen Wiesen, sondern graue, dampfende nach Schwefel stinkende Löcher in lehmigem Boden.

Das sind also Erkenntnisse, die mir in diesen zwei letzten Wochenenden gekommen sind. Doch gerade dafür macht man ja diese Roadtrips. Nicht um sich sicher im Bus von einem Ort zum andern kutschieren zu lassen, und andere für einen organisieren lassen, sondern um das Land kennen zu lernen. Natürlich weiß man, dass innerhalb von Island kaum Menschen leben können, weil dich zwei Drittel der Bevölkerung in Reykjavik zusammengerottet hat und die Landschaft mit ihren Steinen, Hitze die unter der Erde brodelt und so weiter nicht überall bewohnt werden lann. Richtig merken tut man das aber erst, wenn man durch diese Orte fährt, die es auf einer anderen Landkarte vielleicht garnicht verdient hätten als Punkt eingezeichnet zu werden. Doch gibt es gerade an diesen unspektakulären Punkten eine Infotafel, die über ein historisches Ereignis, sei es eine isländische Legende oder tatsächliche Wahrheit berichtet. Und wenn das nicht der Fall ist, dann gibt es mindestens eine Sache, die typisch isländisch ist: Lavafelder, Islandpferde, Schafe, heiße Quellen, heißer Dampf aus dem Boden (es gibt quasi keine Geothermalen Gebiete: Island ist das Geothermale Gebiet!!), Berge, die entweder Pseudovulkane oder wirkliche Vulkane sind oder wie Steinhaufen aussehen, und natürlich Gletscher...oder Menschen in Isländerpullis, die inmitten dieser Weite stehen und aussehen, als würden sie genau da und nirgends sonst hinpassen.

Montag, 20. September 2010

Angekommen?



4 Wochen. Ein Resümee.
Mittlerweile begegnet einem nicht mehr jeden Tag etwas Neues, Unbekanntes. Es geschehen immer noch Sachen, die einem merkwürdig erscheinen, vielleicht typisch isländisch, vielleicht aber auch nur typisch Auslandsaufenthalt. Oder das ganz normale Leben. Nur dass man sich hier häufiger über die kleinen Dinge freut, Häuser, Dinge fotografiert, die man sonst wahrscheinlich übersehen hätte, würde man schon länger hier leben.

Doch so langsam hat man sich trotzdem eine Art Alltag angeeignet. Unter der Woche jeden Tag in die Uni gehen, am Wochenende auf den Flohmarkt. Dazwischen ist dann Zeit für alles andere, wie Parties, Dinner bei Nachbarn, Einkaufen, Skypen, Schwimmen gehen und Schlafen. Vor allem Schlafen erscheint mir in den letzten Tagen besonders wichtig :)
Die erste Zeit war jeden Tag was anderes los und ich wollte am liebsten alles auf einmal machen und mitnehmen was ging, so mittlerweile zeigen sich die ersten Erschöpfungserscheinungen. Das Wetter, das mittlerweile kälter geworden ist und mein Entschluss, die Hausarbeit für das letzte Sommersemester in Deutschland doch endlich noch weiter zu schreiben, tun ihr übriges... Die anfängliche, tägliche Euphorie verflüchtigt sich immer mehr.

Hier in Reykjavík ist jedes Wochenende in einer großen Halle Flohmarkt, auf dem Second-Hand Sachen, ebenso wie Antiquitäten und isländische Spezialitäten (mir vergeht allerdings dabei meist der Appetit: Hai, Pferd, Trockenfisch) verkauft werden. Letztes Wochenende hab ich dort für knapp 20 Euro unter anderem Winterstiefel gefunden, was ziemlich praktisch ist, da wie bekanntlich sonst alles etwas teurer ist und ich nicht so viel von Zuhause mitnehmen konnte.


Wieder einmal fällt mir auf, dass Reykjavík wirklich keine richtige Stadt ist. Wenn man es danach bemisst, wie oft man Leute trifft, die man kennt oder zumindest schon gesehen hat, dann ist es ein Dorf.
Letztens war ich im Bónus, dem Discount-Supermarkt mit dem rosa Schwinchen auf der gelben Tüte und plötzlich wurde ich angesprochen von jemandem, den ich nicht kannte bzw. nur über Couchsurfing. Wie sich herausstellte hat er mich von meinem Bild wieder erkannt. Am nächsten Tag bin ich dann mit ihm und einem anderen Couchsurfer auf eine Studentenparty gegangen, auf der ich wiederrum jemand getroffen hab, der in Wien im selben Haus wohnt wie zwei Mädels, die mit mir in der Kollegstufe waren. Ja, die Welt ist klein.

Mein Lieblingsschwimmbad (es gibt ja einige zur Auswahl in Reykjavik) hab ich mittlerweile auch schon. Das Schwimmbecken und die Hot Pots sind draußen, daneben gibt es noch eine Dampfsauna und andere Saunen, zu denen ich mit meiner Karte aber keinen Zugang hab. Als ich zum ersten Mal dort war hab ich mich aus Versehen in den heißesten Hot Pot gesetzt (44-46 Grad), da mir noch nicht bewusst war, dass die unterschiedlich warm sind. Da ich das Gefühl hatte gekocht zu werden, bin ich seitdem nur noch in die kälteren (36-40 Grad). Es heißt, dass man als Ausländer am besten in den Hot Posts mit Isländern ins Gespräch kommt, ich hab zumindest schon eine andere Studentin und eine Kurrzeiittouristin dort kennen gelernt. Das schöne an den isländischen Schwimmbädern ist auch, dass man kostenlos die Föns benutzen darf und es gratis Schwimmflügel zum Leihen für Kinder gibt, ab und zu auch Seife in den Duschen...und es ist viel billiger als in Deutschland!
Ebenso wie die Wolle, deswegen hier zum Schluss meine ersten selbstgestrickten Handschuhe aus Lopi:


Die Tür nach links führt zu meinem Zimmer, indem ich seit letzten Mittwoch auch endlich angekommen bin! Endlich konnte ich alles auspacken und mich ein bisschen in dem neu renovierten Zimmer einrichten. Auch das trägt zu einer Art Alltag bei...