Dienstag, 4. Januar 2011

Bless Bless Ísland og takk fyrir!

Bevor das neue Jahr ernsthaft beginnt noch ein kurzer abschließender Eintrag dieses Blogs. Mein Erfahrungsbericht für ERASMUS ist bald auf dem Weg durchs Internet, der Abschlussfragebogen ausgefüllt. Die Bilder werden immer noch wehmütig angekuckt und Familie und Freunden gezeigt.
Doch was steht in meinen Erfahrungsbericht? Bestimmt ein bisschen mehr als die drei Sätze mit denen man höflich Neugierige auf die Frage: "Wie wars in Island?" abspeist. Es war toll! Sowohl Island als ein sehr beeindruckendes Land und all die Menschen, die ich getroffen habe. Mein Isländisch? Frag mich lieber nach meinem Englisch. Ja, der Vulkan hat sich wieder beruhigt.

Wenn man nach Hause kommt, merkt man wie schwer es ist von seinen eigenen Erfahrungen zu erzählen. Man entdeckt voller Erschrecken, dass manche Freunde nicht mal Björk kennen! Manchen würd ich am liebsten sagen: Lies doch meinen Blog. Denn da sind die Eindrücke meistens frisch. Und ja, es sind meine eigenen. Andere dürfen unwissend sein. So war ich schließlich auch mal. Aber ich vermisse die Menschen, die denselben Island-Horizont haben, die dasselbe Land zurselben Zeit mit mir kennengelernt haben. All die Menschen, die einem begegnet sind. Die mit mir diese Zeit verbracht haben,
Jetzt zuhause im verschneiten Winterwunderland Allgäu ist man fern von all dem. Die Abschiedsszenarien am BSÍ, dem Busbahnhof, von dem die Busse 40 km nach Keflavik fahren sind fast schon vergessen, durch den Trubel zwischen Weihnachten und Silvester. Aber nie ganz. Denn ich werd mich doch immer wieder daran erinnern, an diese Zeit in der kreativen Stadt auf dieser kleinen Insel mit genau diesen Menschen, oben im Norden.
Und nein: Es war nicht kalt! Nicht kälter als hier, nicht mal Schnee hatten wir... So eine Ironie, dass ein paar wegen des Schnees im Heimatland (Frankreich) noch eine zusätzliche Nacht in Reykjavik verbringen durften, weil der Flug verschoben wurde. Nur ich hatte Glück und keine Verspätungen.

Viele von den Leuten hätte ich gerne besser kennen gelernt und mehr Zeit mit ihnen verbracht. Denn die Zeit ging so schnell vorbei. Fast wie im Traum. Es gab tatsächlich nur einen Tag, an dem ich nach Hause wollte. Das war, als unser Pferd krank war und sich nicht mehr bewegen konnte. Da wäre ich gerne zuhause gewesen und hätte sie gepflegt. Doch jetzt ist sie wieder quicklebendig und alles scheint, als wäre ich nie weg gewesen. Was sind schon 4 Monate? Alles wie immer.

Und doch überkommt mich hier dann ab und zu das Gefühl der Vergänglichkeit. Die abgegriffene Metapher vom Sand, der durch deine Finger rinnt. Dieses Rieseln ist ein schönes Gefühl. Aber irgendwann ist es vorbei. Diese Sandkörner in dieser Position werden nie wieder zusammen an dem Ort sein, der sich unser Zuhause auf Zeit nannte. Ein Zuhause, das wie geschaffen ist für eine Ansammlung von Studenten von überall her. Denn in Reykjavik fühlt man sich nicht alleine, Reykjavik ist kein Ort um sich zu langweilen. Zumindest nicht für mich. Vielleicht für wärmeverwöhnte Italiener aus einer richtigen Großstadt, aber nicht für jemanden wie mich, die sich zuhause in ihrem kleinen Dorf im kalten Winter mit viel Schnee doch auch wieder wohl fühlt...

Montag, 13. Dezember 2010

Jolaplögg Concert Faktory




For A Minor Reflection



Agent Fresco

Utiður


Ein paar Bilder vom Jolaplögg Konzert letzten Samstag.
Das tolle hier ist, dass die Bandmitglieder der anderen Bands vor oder nach ihrem Auftritt auch im Publikum sind und mittanzen! Und am Abend zuvor soll sogar Björk anwesend gewesen sein, aber ich hab sie natürlich schon wieder nicht gesehen...
Aber wer braucht schon Björk, wenn es so viel andere tolle neue isländische Musik gibt.
Abends um halb 5 im Dunkeln über den zugefrorenen Tjörnin in die Stadt zu laufen, wo noch vereinzelte Kinder auf dem Eis spielen. Das Geschnatter und Geplapper der vielen Gänse, Enten und Schwäne in der Nähe des Rathauses. Die vielen Katzen in den Gassen der Stadt, die leider immer zu schnell abhauen, bevor ich eine davon streicheln kann. Das rosa bonus Schwein und die Frage der Verkäufer "Viltu poka?". Wirklich ausnahmslos jedes mal einen Bekannten zu treffen, wenn man in der Stadt ist. Der Ausblick vom Unigebäude auf die Hallgrimskirkja und Perlan. Der Weg am Meer entlang und die Flugzeuge, von denen wirklich jedesmal eins auf dem Domestic Airport landet, wenn ich dort spazieren gehe. Vor Wärme dampfendes Wasser. Die runde Dampfsauna, die mit den gleichen durchsichtigen Fensterfliesen gebaut wurde, wie die bei uns zuhause im Treppenhaus. Das Sonnenlicht, das durch ebendiese fällt und einen Lichtstreifen im Dampf hinterlässt. Den Gesprächen der Isländer im Hot Pot zu lauschen und sich zu freuen, wenn man versteht, um was es geht. Den Kindern beim Spielen und den Schwimmern beim Schwimmen zukucken, während man entspannt und vor sich hin träumen im heißen Wasser sitzt.
Das Nordic House, wo es jetzt jeden Tag eine neue Adventskalender Überraschung in Form von Auftritten von Bands oder Sängern gibt. Oder ein halbe Stunde Yoga und leckeres Gebäck im Anschluss. Die Uni, in die ich gerne gehe, auch wenn die Kurse vorbei sind, weil es das tolle Háma Café und bunte Stühle zum draufsitzen, Menschen beobachten und Menschen treffen gibt. Ich mag diese Uni auch, weil sie Silent Rooms hat, in denen es abgeschirmte Plätze mit eigenem Stromanschluss für den Laptop gibt, wo man seine Ruhe hat, und sich deswegen manchmal nur über Facebook mit den Gegenübersitzenden verständigt.
Das Babalu, das Stammcafé vieler geworden ist, weil es wie ein großes gemütliches Wohnzimmer ist und die leckersten Kuchen und bestes Bananenbrot hat. Oder Kofi Tómasar Frænda, in dem man die besten Gespräche führen kann, und in dem immer gute Musik läuft. Apropos Musik: 12 tonar, der Musikladen, der auch ein Plattenlabel ist, wo man stundenlang sitzen und stricken kann, während man an einem der CD-Spieler schöne, neue isländische Musik entdeckt. Und apropos Stricken: Die Handknitting Association, in der es die meisten Isländerpullis gibt und günstige Lopi (Wolle). Auf dem Flohmarkt im Kolaportið gibt es auch Isländerpullis und allerlei anderes Gestricktes, unter anderem bei zwei älteren Damen, die dir auch auf Wunsch einen Pulli stricken oder Stricktips geben.
Der Hafen, der im Winterhalbjahr meistens still und ruhig ist, von wo aus man die Lichtsäule des Peace Towers auf Videy von Yoko Ono besonders gut sieht. An einem anderen Platz am Hafen, wo man Nordlichter sehen kann, auch wenn sie nicht besonders stark sind. Wo man nachts die Wellen auf den Sand rauschen hören kann, weil Flut ist...

Donnerstag, 9. Dezember 2010

Und wie sind die Isländer so?

Um euch, die lieben Leser und Bilder Begucker dieses Blogs ein bisschen an dem teilhaben zu lassen, was ich hier gelernt habe, folgt nun dieser Eintrag über ein paar Kuriositäten und Weisheiten dieser isolierten Inselspezies des Nordens...

"Alles hat seine Zeit." Eine alte Weisheit, die im Alten Testament steht, aber auch in einer der isländischen Sagen. Ich weiß nicht mehr genau welche, aber ich mag diesen Spruch!

"Þetta reddast!" ist das Pendant zu unserem: Alles wird gut! Und wird derzeit täglich mehrmals von Emelie, die für den letzten Monat das Zimmer gegenüber meinem bezogen hat, ausgesprochen. Sie versucht nämlich wie so viele andere Studenten, die Isländischkurse zum Spass belegt haben, in den wenigen Tagen vor der Prüfung alles aufzuholen, was sie während des Semesters nicht geschafft hat.

"Everyone in Iceland has children!" Diesen Ausspruch hab ich von einer Isländerin gehört, die ich für meinen Icelandic Folktales Kurs interviewt habe. Tatsache ist, dass die Isländer ein sehr lockeres Verhältnis zum Sex haben. Es gibt viele junge Mütter, aber eher wenige junge verheiratete Paare, weil sie das mit dem Heiraten schon länger nicht so ernst nehmen. Eine Teenager Schwangerschaft wird von der Familie unterstützt. Mit Sicherheit gibts da auch Ausnahmen, aber ein Kind ist immer willkommen. Demnach müsste Islands Bevölkerung eigentlich rapide anwachsen...

"Alles hängt vom Wetter ab." In einer Vorlesung des Icelandic Culture Kurses, den ich immer nur besucht habe wenn interessante Gastlektoren den Kurs gehalten haben (so z.B. der Autor von 101 Reykjavik Hallgrímur Helgason) fiel einmal dieser Ausspruch, um zu erklären, dass die Isländer ungerne Pläne machen. Wieso sich für nächste Woche verabreden, wenn doch in der Zwischenzeit ein Vulkan ausbrechen könnte. Man sollte Dinge also sofort tun, ohne sie zu verschieben. Oder: spontan ist besser. Das ist mir symphatisch.

Die Milch. Und der Skyr. Und anderes kulinarisches.
Auf den Milchtüten steht viel interessantes auf Isländisch. Für jemanden, der diese Sprache lernt kann ein Frühstück also sehr lehrreich sein. Da die Isländer seit Jahren Sprachpflege betreiben, um ihre komplizierte, antiquitäre, aber sehr schöne Sprache von jeglichem Einfluss durch Anglizismen zu beschützen, werden lieber selber neue Worte gebildet und den Menschen beigebracht. Bei 300 000 Einwohnern ist das auch nicht so schwer.

Ach und der Skyr, der ist wohl so alt wie eben diese Sprache. Es ist allerdings kein Joghurt, für den er von vielen anfangs gehalten wird, weil es ihn in ebensovielen Sorten gibt, sondern ein Nebenprodukt des Käsemachens und ein bisschen sauer (um es vereinfacht zu sagen: es ist Quark und uns Deutschen also doch nicht so unbekannt). Da die Isländer, damals als sie hier wirklich noch abgeschieden in der Rauheit dieser Insel gelebt haben, ihr Essen möglichst lange aufbewahren mussten, haben sie einiges damit angestellt. Auch wenn die Methoden kulinarisch nicht wirklich Qualität erzeugen, sind einige der Speisen auch heute noch Tradition in diesem Land. So zum Beispiel der Schafskopf. Der wird mit Augen und Zunge, also allem gegessen. (es werden auch Schafshoden gegessen, denn früher glaubte man, dass alles an den Tieren verwertet werden musste, weil der Geist des Tiers sonst nicht zur Ruhe kommt. Und wer will schon von einem Schaf ohne Kopf verfolgt werden, oder so...) Oder ein noch besseres Beispiel um die Art der Aufbewahrung zu verdeutlichen ist der Hákarl, verottetes Haifleisch, das bombastisch stinkt, und nur mit Brennivín (Schnaps) runterzubekommen ist. Wenn überhaupt, denn weil mir schon der harðfiskur (getrockneter Fisch) im Hals stecken geblieben ist, hab ich den Hai garnicht erst probiert.
Um noch mit einer der wenigen leckeren Spezialiten zu enden: das Weihnachtsbier! Eine Mixtur aus Malzbier und Orangenlimo, von der ich grad nicht genug bekommen kann und alle Sorten ausprobieren musste:

Natürlich die Elfen! Die haben hier in Island, wie man weiß noch Einfluss auf den Straßenbau. Zumindest, wenn die Maschinen an einer bestimmten Stelle des Baus nicht mehr funktionieren. Dann werden die Elfen, nicht vom Elfenbeauftragten, den gibt es nämlich offiziell garnicht, sondern es ist nur eine Frau, die diese Wesen sehen kann, die hinzugezogen wird, um mit den Elfen zu verhandeln. Im Nachbarort in Kópavogur gibt es eine Straße namens Álfavegur (Elfenweg) und daneben einen Stein, der aus dem Weg geräumt wurde, nachdem man die Elfen zum Umzug überredet hat, der sogar eine eigene Hausnummer hat. Ob die Elfen da wirklich immer noch neben einer vielbefahrenden Straße wohnen, bleibt zu bezweifeln. Ich kann mir vorstellen, dass die es draußen in der geheimnisvollen Landschaft viel schöner finden... Übrigens glaubt längst nicht jeder Isländer an Elfen, aber sie verneinen ihre Existenz auch nicht wirklich, weil viele irgendjemanden kennen, der sie schon mal gesehen hat.

Isländer sind ein Volk von Individualisten, das der Stolz auf ihr Land mit seiner Geschichte und seiner Sprache zusammenschweißt. Eine große Familie, da sie alle irgendwie miteinander verwandt sind und auf dem Flughafen mit "Velkomin hem!" (Willkommen Zuhause) begrüßt werden.
Ich hab ja zu meiner Schande nicht allzu viele Isländer kennengelernt, aber folgendes kann ich doch sagen: Sie sind oft sehr freundlich und helfen einem gerne weiter. Aber höflich kann man sie nicht gerade nennen. Man kann somit schlussfolgern, dass sie sich einfach nicht gerne verstellen. Wenn man an einen unfreundlichen oder schlechtgelaunten, (oder betrunkenen) Isländer gerät, kommt einem manchmal schon das Bild eines rauen Vikingers in den Sinn, der eigenbrödlerisch sein Ding durchzieht. Ich erinnere mich nur an meinen ersten Tag, als ich noch auf der Suche nach einem Zimmer war und in einem Guesthouse gefragt habe, mit was für Menschen ich denn da wohnen würde, und als Antwort bekommen hab: "That's none of your business!".
Aber: Lieber ein paar ehrlich freundliche Menschen, als viele höfliche, grimmige Menschen.

Mittwoch, 8. Dezember 2010

Nachtgedanken

Ich bin traurig, wenn ich daran denke, dass ich für dieses Jahr tschüß sagen muss, zu dieser beeindruckenden Insel mit dieser kleinen Hauptstadt, und all den Menschen von überall, die dazu beigetragen haben, dass ich mich in dieser Stadt und in dieser Zeit so wohl gefühlt habe. Denn wie in diesen letzten Monaten wird es dann nie wieder sein. Was, wenn ich hoffentlich bald in diese Stadt zurückkomme und quasi die Hälfte, der Menschen, die auf ihren Straßen rumlaufen und in ihren Bars wegehen nicht mehr da sind? Aber genug Sentimentalität.
Es war eine gute, wunderbare Zeit. Mit so vielen Erlebnissen, so vielen Geschichten, so viel Leben mit vielen interessanten Menschen, für Inspiration und Überraschungen. Neue Ideen, neue Träume, neue Pläne kommen auf.

Es ist dunkel jetzt. Die Sonne geht erst so um elf orange-rot auf und 4 bis 5 Stunden später wieder unter. Viel bewegt sie sich nicht mehr am Horizont. Diese Faulheit überträgt sich auch auf mich. Ich verschlafe den halben Tag, aber kann man es Tag nennen, wenn das Licht ständig an Dämmerung erinnert? Trotz der Veränderung in meiner Stimmung, die diese Dunkelheit bewirkt, mag ich diese Art von Tagen auch. Diese spezielle Gemütlichkeit der Adventszeit wird dabei noch deutlicher. Das, was ich nicht mag ist, nachts stundenlang wach zu liegen und meine Gedanken dazu zu überreden mich endlich in Ruhe zu lassen... Aber ich bin nicht die einzige, die hier mit Schlafproblemen zu kämpfen hat, und wir haben auch festgestellt, dass das Gehirn immer einen Schritt voraus ist. Da will man noch die letzte Zeit genießen und nicht an zu Hause denken, aber der Kopf kramt die Erinnerungen an Freunde und Familie hervor, die man doch irgendwie vermisst und man fühlt sich schon mit einem Fuß im Flugzeug. Vielleicht ist es auch schlau, sich so langsam darauf einzustimmen, dass es so nicht ewig weitergehen kann. Zumindest nicht hier. Alles wird irgendwann langweilig, wenn man lang genug damit gespielt hat. Doch spielen werde ich, und dann aufhören, wenn es am schönsten ist.
Das soll man doch, oder?

Dienstag, 7. Dezember 2010

Skating around the christmas tree




Auch Bewegung tut gut um sich vom Unistress zu erholen, deswegen gabs am Sonntag einen kleinen Ausflug in die Eislaufhalle. Dort wurde Weihnachtsmusik gespielt und man konnte Schlittschuhe ausleihen. An Weihnachsstimmung fehlt es mir also ganz bestimmt nicht, und da ich gestern meine letzte Prüfung hinter mich gebracht hab, bin ich sowieso wieder in bester Verfassung um die letzten 2 Wochen hier nochmal so richtig zu genießen...

Knitting in Háskolatorg


Stricken entspannt. Was gibts also besseres, als eine Pause vom lernen und schreiben einzulegen, sich im Unicafé mit dem "Knitting Club" zu treffen und in gemeinsamer Schweigsamkeit konzentriert zu stricken. Das hat fast was von Meditation manchmal.
Und man fällt sogar in Island ein bisschen auf... wo sich die Menschen eigentlich sehr wenig darum scheren, was die anderen machen und das Stricken doch eine lange Tradition hat. So gibt es zum Beispiel die saumaklubbar, zu denen sich die Frauen mit ihren früheren Schulkameradinnen treffen, um sich auszutauschen. Das machen wir natürlich auch.

Det norske juletreet i Reykjavik


...das ist also der Weihnachtsbaum aus Norwegen.

Sonntag, 28. November 2010

Sólin Mun Skína (Rökkuró)



In dieser kalten, dunklen Jahreszeit ist es besonders wichtig gute, passende Musik zu hören. Deswegen gibts heute zum ersten Advent dieses wunderschön optimistische Lied, das ich hier schon live gehört habe. Der Titel heißt "die sonne wird scheinen". Jetzt wird sie aber erst mal jeden Tag weniger scheinen...

Heute wurde auf austurvöll, dem Platz vor dem Parlament ein norwegischer Tannenbaum eingeweiht, und es wurde weihnachtliche Musik gespielt. Weil mir und den holländischen Mädels mit denen ich dort war, aber die Zehen eingefroren sind, mussten wir uns danach bei einer heißen Schokolade aufwärmen. Schnee gibts hier in Reykjavík gerade keinen mehr, was die Weihnachtsdekorationen in der Stadt noch ein bisschen schwach aussehen lässt.

Sonntag, 21. November 2010

Anzeichen des Endes in der kleinen Ausnahmewelt

Endlich mal wieder ein kleiner Bericht in Worten.
Es ist tatsächlich nur noch eine Woche Uni hier an der Hàskoli Ìslands! Anlässlich dieser Verkündung bin ich gestern aus allen Wolken gefallen. Aber es stimmt...
Die Zeichen des Endes dieses Semesters mehren sich zunehmend. Alles geht wie immer viel zu schnell. Aber wie soll man das Leben als Erasmus Student beschreiben? Ich rede zurzeit oft von der Ausnahmesitutaion, die so ein Semester ist. Du bist weg von deinem gewohnten Umkreis, lernst aber gleichzeitig unglaublich viele Menschen kennen, die sich mit dir gemeinsam über das Land wundern. Und wir Erasmus Studenten lieben Island, mit seiner gewaltigen Natur, seiner Kälte, seiner Verrücktheit und seinen Hot Pots und das posten wir auch regelmässig über Facebook hinaus in unsere kleine Welt. Ich fühle mich manchmal wirklich wie in einer großen Erasmus-Familie. Man ist zwar ganz allein hier her, auf diese abgeschottete, ferne Insel gekommen, doch immer wenn ich hier in die Stadt gehe, kann ich damit rechnen mindestens einer Person zu begegnen, die ich kenne und mit der ich ein paar Worte wechsle. (In der Uni sowieso). Natürlich sind das selten Isländer...auch wenn ich hauptsächlich nach Island gegangen bin um mein Isländisch zu verbessern, hab ich eher besser Englisch gelernt und Menschen aus Europa und dem Rest kennen gelernt. Denn das ist der Unterschied zwischen Auslandssemester und "in einem anderen Land leben" und ich habe mich wohl unbewusst für dieses eine kurze Semester dafür entschieden voll in das Erasmus-Leben einzusteigen. Das "In Island leben" kann ja immer noch kommen. Nächstes Jahr oder so :)
Jedenfalls mag ich das Leben hier sehr gerne. Natürlich steht die Uni nicht an erster Stelle, selbst jetzt in der heissen Phase der Prüfungen und nahenden Abgabetermine gibt es etliche Ablenkungen.
Sei es auch nur ein Stricktreffen im Hàskolatorg (weil alle Mädchen spätestens hier anfangen zu stricken gibt es den wöchentlichen Strickclub) nach der Bibliothek.
Oder mal wieder zur Entspannung im Hot Pot sitzen (und einen kleinen Abstecher zur Abkühlung in das eiskalte Meerwasser machen in Nautholsvík, dem Stadtstrand von Reykjavík).
Oder isländische Bands live in Bars oder Kirchen spielen sehen (Rökkuró, For A Minor Reflection, oder das Orchester eines Kommilitonen).
Oder Geburtstage feiern. Mit Bier oder Kuchen und Tee.
Ins Kino gehen und englische Filme mit isländischen Untertiteln kucken. Oder Mittwochs kostenlos einen isländischen Film im Culture House.
Oder eine finnische Pre-Christmas-Party mit anschliessender spanischer Musik, die alle und vor allem die Spanier dazu veranlasst die Tische samt Weihnachtsdeko zur Seite zu schieben um Platz zum Tanzen zu haben.
Oder eine Fahrradtour nach der Uni zur Kirche auf der Halbinsel, oder gleich fahrradfahren auf dem zugefrorenen Stadtteich Tjörnin.
Sonntags wieder mal auf dem Flohmarkt gehen und endlich zu merken, dass man doch Fortschritte macht im isländisch sprechen.
Oder endlich doch noch...

Und nebenbei muss man ja auch mal Zeit haben zum Kerzen und Pepperkaker kaufen. Flug buchen. Sich ein bisschen auf Weihnachten freuen, aber eigentlich keine Zeit dazu haben.
Was passiert, wenn das hier zu Ende ist?
Who cares? Jetzt bin ich noch hier. Noch genau vier Wochen.