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Dienstag, 7. Dezember 2010

Knitting in Háskolatorg


Stricken entspannt. Was gibts also besseres, als eine Pause vom lernen und schreiben einzulegen, sich im Unicafé mit dem "Knitting Club" zu treffen und in gemeinsamer Schweigsamkeit konzentriert zu stricken. Das hat fast was von Meditation manchmal.
Und man fällt sogar in Island ein bisschen auf... wo sich die Menschen eigentlich sehr wenig darum scheren, was die anderen machen und das Stricken doch eine lange Tradition hat. So gibt es zum Beispiel die saumaklubbar, zu denen sich die Frauen mit ihren früheren Schulkameradinnen treffen, um sich auszutauschen. Das machen wir natürlich auch.

Sonntag, 21. November 2010

Anzeichen des Endes in der kleinen Ausnahmewelt

Endlich mal wieder ein kleiner Bericht in Worten.
Es ist tatsächlich nur noch eine Woche Uni hier an der Hàskoli Ìslands! Anlässlich dieser Verkündung bin ich gestern aus allen Wolken gefallen. Aber es stimmt...
Die Zeichen des Endes dieses Semesters mehren sich zunehmend. Alles geht wie immer viel zu schnell. Aber wie soll man das Leben als Erasmus Student beschreiben? Ich rede zurzeit oft von der Ausnahmesitutaion, die so ein Semester ist. Du bist weg von deinem gewohnten Umkreis, lernst aber gleichzeitig unglaublich viele Menschen kennen, die sich mit dir gemeinsam über das Land wundern. Und wir Erasmus Studenten lieben Island, mit seiner gewaltigen Natur, seiner Kälte, seiner Verrücktheit und seinen Hot Pots und das posten wir auch regelmässig über Facebook hinaus in unsere kleine Welt. Ich fühle mich manchmal wirklich wie in einer großen Erasmus-Familie. Man ist zwar ganz allein hier her, auf diese abgeschottete, ferne Insel gekommen, doch immer wenn ich hier in die Stadt gehe, kann ich damit rechnen mindestens einer Person zu begegnen, die ich kenne und mit der ich ein paar Worte wechsle. (In der Uni sowieso). Natürlich sind das selten Isländer...auch wenn ich hauptsächlich nach Island gegangen bin um mein Isländisch zu verbessern, hab ich eher besser Englisch gelernt und Menschen aus Europa und dem Rest kennen gelernt. Denn das ist der Unterschied zwischen Auslandssemester und "in einem anderen Land leben" und ich habe mich wohl unbewusst für dieses eine kurze Semester dafür entschieden voll in das Erasmus-Leben einzusteigen. Das "In Island leben" kann ja immer noch kommen. Nächstes Jahr oder so :)
Jedenfalls mag ich das Leben hier sehr gerne. Natürlich steht die Uni nicht an erster Stelle, selbst jetzt in der heissen Phase der Prüfungen und nahenden Abgabetermine gibt es etliche Ablenkungen.
Sei es auch nur ein Stricktreffen im Hàskolatorg (weil alle Mädchen spätestens hier anfangen zu stricken gibt es den wöchentlichen Strickclub) nach der Bibliothek.
Oder mal wieder zur Entspannung im Hot Pot sitzen (und einen kleinen Abstecher zur Abkühlung in das eiskalte Meerwasser machen in Nautholsvík, dem Stadtstrand von Reykjavík).
Oder isländische Bands live in Bars oder Kirchen spielen sehen (Rökkuró, For A Minor Reflection, oder das Orchester eines Kommilitonen).
Oder Geburtstage feiern. Mit Bier oder Kuchen und Tee.
Ins Kino gehen und englische Filme mit isländischen Untertiteln kucken. Oder Mittwochs kostenlos einen isländischen Film im Culture House.
Oder eine finnische Pre-Christmas-Party mit anschliessender spanischer Musik, die alle und vor allem die Spanier dazu veranlasst die Tische samt Weihnachtsdeko zur Seite zu schieben um Platz zum Tanzen zu haben.
Oder eine Fahrradtour nach der Uni zur Kirche auf der Halbinsel, oder gleich fahrradfahren auf dem zugefrorenen Stadtteich Tjörnin.
Sonntags wieder mal auf dem Flohmarkt gehen und endlich zu merken, dass man doch Fortschritte macht im isländisch sprechen.
Oder endlich doch noch...

Und nebenbei muss man ja auch mal Zeit haben zum Kerzen und Pepperkaker kaufen. Flug buchen. Sich ein bisschen auf Weihnachten freuen, aber eigentlich keine Zeit dazu haben.
Was passiert, wenn das hier zu Ende ist?
Who cares? Jetzt bin ich noch hier. Noch genau vier Wochen.

Montag, 1. November 2010

Eiseskälte und Vulkanfeuer?

http://grapevine.is/News/ReadArticle/New-Volcano-Likely

Ein zweiter Vulkanausbruch 2010?

Bin ja mal gespannt ob ich noch länger hier bleiben muss oder darf. :)
Schließlich hab ich heut nochmal erfahren, dass Silvester in Reykjavik ein Erlebnis ist, dass man nicht beschreiben kann, sondern erlebt haben muss. Mein Lehrer in dem Kurs über Isländische Kultur meinte: Es ist so hell, dass man Silvesternacht beinah draußen ein Buch lesen kann.

Heute war der erste Tag, an dem ich merke, dass es wirklich richtig Winter wird. Vielleicht liegt es daran, dass heute der erste Novembertag ist und ich vor 9 aufgestanden bin, was an ein Wunder grenzt, nachdem ich die Tage zuvor selten vor 12 Uhr aus dem Bett gekommen bin. Ok, dies könnte unter anderem daran liegen, dass Wochenende war und ich Freitag und Samstag erst am frühen Morgen zuhause war. Was wiederum normal ist für isländische Verhältnisse, da die Party, zumindest in Downtown erst ab 2 Uhr nachts richtig losgeht. Dass es kalt ist, merkt man da aber nur, wenn man fast eine Stunde vor einer Bar wartet um reinzukommen...aber ich bin ja wieder weitgehend erkältungsfrei und werde es hoffentlich auch bleiben: Die Abhärtung durch den Wechsel von kalter Aussentemperatur und heißem Wasser im Hot Pot ist neben frisch gepressten Orangensaft eine Möglichkeit. Und vielleicht bleib ich die nächsten Tage einfach öfter drinnen und stricke oder sitze in der Uni oder der Bibliothek. Was sein muss....
Wie auch immer, mehr interessantes gibts für diesen Blog heute nicht mehr :)

Samstag, 11. September 2010

Uni, Rock'n'Roll, Stricken und die Krise

Ok, das sind auf den ersten Blick Dinge, die sehr wenig miteinander zu tun haben, und doch hab ich all das in der letzten Woche untergebracht, während ich noch täglich damit beschäftigt war mich für eine endgültige Kursauswahl zu entscheiden. Nicht umsonst steht die Uni an erster Stelle. Bis heute lief nämlich noch die Frist zur Kursanmeldung, die auch hier nur online abläuft. Außerdem hab ich mich geärgert über Kurse, die zwar im Coursekatalog stehen, aber aufgrund der Krise nicht gehalten werden können oder Kurse, die eigentlich auf Englisch stattfinden sollen, ich tatsächlich aber nur isländisch hörte, wenn ich mich in die Vorlesung gesetzt habe.
Immerhin hab ich jetzt eine Auswahl getroffen, mal sehen, welche Kurse ich wirklich zu Ende bringe bzw. für mein Studium in Deutschland einbringen kann. Jedenfalls hat die Uni mehr Zeit (und Ärger) eingenommen als ich dachte.

Trotzdem musste ich natürlich die restliche Zeit nutzen um zum Beispiel die Kurse der Hochschultanzgruppe (Háskóladansinn) kostenlos auszuprobieren. Dienstag stand Rock'n'Roll auf dem Programm, allerdings in einer Halle die nicht, wie so vieles andere, zu Fuß zu erreichen ist. Ich bin also ein Stück mit dem Bus gefahren und dann doch wieder eine ganze Weile gelaufen, aber es hat sich allein wegen den Liedern gelohnt (Brown Eyed Girl wurde mein Ohrwurm).

Achja, am selben Tag war ich auf einem Information meeting für Volunteers beim Internationalen Filmfestival, das Ende September hier in Reykjavik stattfindet (www.riff.is) und werde wie es aussieht einen Teil der nächsten Wochen damit verbringen bei den Vorbereitungen zu helfen. Unter anderem geht es darum stundenlang Filme zu kucken. Yeah!

Jani aus Berlin kam auf die glorreiche und spaßige Idee ISKA zu gründen, nachdem sie sich von einer Isländerin etwas sehr isländisch zeigen lassen hat: Stricken. ISKA meint also International Students Knitting Association. Ich, die in den letzten Jahren jeden Herbst zu Stricknadel und Wolle gegriffen hat, war da natürlich gleich dabei und die ersten Ergebnisse sind auch schon (fast) vorzeigbar. Es gibt hier recht preiswert landestypische Wolle zu kaufen (Lopi) und es ist nicht einfach sich zwischen all den Farben zu entscheiden und nicht in die Versuchung zu kommen sich sofort einen Isländerpulli zu kaufen, wenn man in einem der Wollläden ist.

Seit ich hier angekommen bin, sind mir überall in der Stadt die Filmplakate von "Future of Hope" aufgefallen und nachdem ich in der englischen Zeitung (grapevine) ein Interview über diesen Dokumentarfilm gelesen und entdeckt hab, dass die Filmmusik unter anderem von Damien Rice ist, wollte ich den Film natürlich sehen und hab ein paar andere Exchange Students angestachelt mitzukommen.
Meinen Erwartungen hat er allerdings dann nicht mehr standgehalten. Trotzdem vermittelt er eine insgesamt positive Stimmung der Isländer nach der Krise, zeigt Fälle von plötzlich unbezahlbaren Schulden, aber auch viele, neue Innovationen. Die wichtige Rolle Islands, wenn es um erneuerbare Energien geht, wird bestimmt noch für Europa zu spüren sein. Das Thema Neuanfang scheint sowieso ziemlich zentral zu sein, ebenso wie die Diskussion über den EU-Beitritt. Dabei geht es den Isländern wie schon so oft um ihren Fisch und ihr Faible für (Saga) Helden. Auch wenn diese Insel nur ungefähr ein Zehntel soviel Einwohner hat wie unsere Hauptstadt, geht doch einiges vorwärts. Island ist außerdem das erste Land, das eine "offiziell" homosexuelle Premierministerin hat, was auf den Färöern Insel gerade noch für Trubel sorgt...

...und morgen werd ich wieder mehr von der Natur dieses interessanten Landes sehen!