Um euch, die lieben Leser und Bilder Begucker dieses Blogs ein bisschen an dem teilhaben zu lassen, was ich hier gelernt habe, folgt nun dieser Eintrag über ein paar Kuriositäten und Weisheiten dieser isolierten Inselspezies des Nordens...
"Alles hat seine Zeit." Eine alte Weisheit, die im Alten Testament steht, aber auch in einer der isländischen Sagen. Ich weiß nicht mehr genau welche, aber ich mag diesen Spruch!
"Þetta reddast!" ist das Pendant zu unserem: Alles wird gut! Und wird derzeit täglich mehrmals von Emelie, die für den letzten Monat das Zimmer gegenüber meinem bezogen hat, ausgesprochen. Sie versucht nämlich wie so viele andere Studenten, die Isländischkurse zum Spass belegt haben, in den wenigen Tagen vor der Prüfung alles aufzuholen, was sie während des Semesters nicht geschafft hat.
"Everyone in Iceland has children!" Diesen Ausspruch hab ich von einer Isländerin gehört, die ich für meinen Icelandic Folktales Kurs interviewt habe. Tatsache ist, dass die Isländer ein sehr lockeres Verhältnis zum Sex haben. Es gibt viele junge Mütter, aber eher wenige junge verheiratete Paare, weil sie das mit dem Heiraten schon länger nicht so ernst nehmen. Eine Teenager Schwangerschaft wird von der Familie unterstützt. Mit Sicherheit gibts da auch Ausnahmen, aber ein Kind ist immer willkommen. Demnach müsste Islands Bevölkerung eigentlich rapide anwachsen...
"Alles hängt vom Wetter ab." In einer Vorlesung des Icelandic Culture Kurses, den ich immer nur besucht habe wenn interessante Gastlektoren den Kurs gehalten haben (so z.B. der Autor von 101 Reykjavik Hallgrímur Helgason) fiel einmal dieser Ausspruch, um zu erklären, dass die Isländer ungerne Pläne machen. Wieso sich für nächste Woche verabreden, wenn doch in der Zwischenzeit ein Vulkan ausbrechen könnte. Man sollte Dinge also sofort tun, ohne sie zu verschieben. Oder: spontan ist besser. Das ist mir symphatisch.
Die Milch. Und der Skyr. Und anderes kulinarisches.
Auf den Milchtüten steht viel interessantes auf Isländisch. Für jemanden, der diese Sprache lernt kann ein Frühstück also sehr lehrreich sein. Da die Isländer seit Jahren Sprachpflege betreiben, um ihre komplizierte, antiquitäre, aber sehr schöne Sprache von jeglichem Einfluss durch Anglizismen zu beschützen, werden lieber selber neue Worte gebildet und den Menschen beigebracht. Bei 300 000 Einwohnern ist das auch nicht so schwer.


Ach und der Skyr, der ist wohl so alt wie eben diese Sprache. Es ist allerdings kein Joghurt, für den er von vielen anfangs gehalten wird, weil es ihn in ebensovielen Sorten gibt, sondern ein Nebenprodukt des Käsemachens und ein bisschen sauer (um es vereinfacht zu sagen: es ist Quark und uns Deutschen also doch nicht so unbekannt). Da die Isländer, damals als sie hier wirklich noch abgeschieden in der Rauheit dieser Insel gelebt haben, ihr Essen möglichst lange aufbewahren mussten, haben sie einiges damit angestellt. Auch wenn die Methoden kulinarisch nicht wirklich Qualität erzeugen, sind einige der Speisen auch heute noch Tradition in diesem Land. So zum Beispiel der Schafskopf. Der wird mit Augen und Zunge, also allem gegessen. (es werden auch Schafshoden gegessen, denn früher glaubte man, dass alles an den Tieren verwertet werden musste, weil der Geist des Tiers sonst nicht zur Ruhe kommt. Und wer will schon von einem Schaf ohne Kopf verfolgt werden, oder so...) Oder ein noch besseres Beispiel um die Art der Aufbewahrung zu verdeutlichen ist der Hákarl, verottetes Haifleisch, das bombastisch stinkt, und nur mit Brennivín (Schnaps) runterzubekommen ist. Wenn überhaupt, denn weil mir schon der harðfiskur (getrockneter Fisch) im Hals stecken geblieben ist, hab ich den Hai garnicht erst probiert.
Um noch mit einer der wenigen leckeren Spezialiten zu enden: das Weihnachtsbier! Eine Mixtur aus Malzbier und Orangenlimo, von der ich grad nicht genug bekommen kann und alle Sorten ausprobieren musste:

Natürlich die Elfen! Die haben hier in Island, wie man weiß noch Einfluss auf den Straßenbau. Zumindest, wenn die Maschinen an einer bestimmten Stelle des Baus nicht mehr funktionieren. Dann werden die Elfen, nicht vom Elfenbeauftragten, den gibt es nämlich offiziell garnicht, sondern es ist nur eine Frau, die diese Wesen sehen kann, die hinzugezogen wird, um mit den Elfen zu verhandeln. Im Nachbarort in Kópavogur gibt es eine Straße namens Álfavegur (Elfenweg) und daneben einen Stein, der aus dem Weg geräumt wurde, nachdem man die Elfen zum Umzug überredet hat, der sogar eine eigene Hausnummer hat. Ob die Elfen da wirklich immer noch neben einer vielbefahrenden Straße wohnen, bleibt zu bezweifeln. Ich kann mir vorstellen, dass die es draußen in der geheimnisvollen Landschaft viel schöner finden... Übrigens glaubt längst nicht jeder Isländer an Elfen, aber sie verneinen ihre Existenz auch nicht wirklich, weil viele irgendjemanden kennen, der sie schon mal gesehen hat.
Isländer sind ein Volk von Individualisten, das der Stolz auf ihr Land mit seiner Geschichte und seiner Sprache zusammenschweißt. Eine große Familie, da sie alle irgendwie miteinander verwandt sind und auf dem Flughafen mit "Velkomin hem!" (Willkommen Zuhause) begrüßt werden.
Ich hab ja zu meiner Schande nicht allzu viele Isländer kennengelernt, aber folgendes kann ich doch sagen: Sie sind oft sehr freundlich und helfen einem gerne weiter. Aber höflich kann man sie nicht gerade nennen. Man kann somit schlussfolgern, dass sie sich einfach nicht gerne verstellen. Wenn man an einen unfreundlichen oder schlechtgelaunten, (oder betrunkenen) Isländer gerät, kommt einem manchmal schon das Bild eines rauen Vikingers in den Sinn, der eigenbrödlerisch sein Ding durchzieht. Ich erinnere mich nur an meinen ersten Tag, als ich noch auf der Suche nach einem Zimmer war und in einem Guesthouse gefragt habe, mit was für Menschen ich denn da wohnen würde, und als Antwort bekommen hab: "That's none of your business!".
Aber: Lieber ein paar ehrlich freundliche Menschen, als viele höfliche, grimmige Menschen.